Atomwaffen und die Hauptgegenargumente

Die Gefahren eines (auch versehentlichen) Atomkrieges werden barbarisch unterschätzt. - "Barbarisch", weil jeder geordneten Überlegung zuwider. - Auch im Freundeskreis.

Obgleich oft dargelegt, dass die rivalisierende, "atomare Friedenssicherung" 1. logisch, 2. militärtechnisch, 3. organisatorisch nicht verlässlich und 4. völkerrechtswidrig ist,

1. weil die atomare Abschreckung nur gewährleisten kann, solange ein Regent/Regime keinen anderweitigen Galgen zu fürchten hat,

2. dass es militärisch im Raketenzeitalter keine "Frühwarnsysteme" gibt,
weil technisch nicht gewährleistbar ist, in Anbetracht der Folgendimension in Minutenschnelle hinreichend verlässlich zu unterscheiden, ob Ente oder Rakete im Anflug - und im Falle, dass der Angriff von einem U-Boot erfolgt, niemand wüsste, welcher Staat es zu verantworten hat,

3. weil organisatorisch eine ordentliche (militärische und politische) Befehlskette zu durchlaufen für solche Minutenschnelle viel zu schwerfällig ist, falls überhaupt (noch) erreichbar, um eine für angemessen gehaltene Reaktion zu entscheiden.

4. Und völkerrechtlich unstatthaft, 
a) weil niemandem erlaubt sein darf, Streitigkeiten auf eine Weise führen zu können, dass die am Streit unbeteiligte Menschheit in Mitleidenschaft gezogen wird,
b) weil die wichtigsten Atomwaffenmächte den Atomwaffenverzichtsstaaten mit Artikel 6 Atomwaffensperrvertrag eine atomwaffenfreie Welt "in naher Zukunft" versprachen.
Das war im Jahr 1970. - Stattdessen werden Abrüstungsabkommen gekündigt.
c) weil der Atomwaffenverbotsvertrag vom 7.7.2017 die Atomwaffen ächtet, den 122 Staaten unterschrieben und inzwischen 50 Staaten ratifizierten (Stand 24.10.2020). 

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Viele meiner Freunde verstehen das - und wissen auch von den oft jahrzehntelang verschwiegenen Kontrollverlusten, die wir nur mit purem Glück überlebten, aber werden trotzdem nicht aktiv,

- weil sie entweder darauf hoffen, Politik und Militär hätten die selbst geschaffene Lage nach den "Vorfällen" inzwischen schon irgendwie im Griff,

- oder weil sie für unmöglich halten, die Supermächte könnten einander überreden und würden es gemeinsam nicht schaffen, auch die schwächeren Staaten zum Atomwaffenverzicht zu zwingen.

- Oder weil viele Menschen ganz schlicht andere Interessen und andere Sorgen haben, die ihnen vordringlicher sind als die Sorge um den Weltfrieden, Weltgerechtigkeit und einen intakten Planeten.

Letzteres billige ich vielen Menschen zu, die ernsthaft psychische, physische und wirtschaftliche Existenznöte leiden. Aber wenigstens die vielen Menschen, denen es besser geht, sollten in Köpfen und Einflussnahme besser sortiert sein, wie es um die große Sicherheit steht, die wir uns durch grobfalsche Entscheidungen obendrein Milliarden kosten lassen, die für Notwendiges, für Sinnvolleres fehlen.

Doch eine atomwaffenfreie Welt ist möglich - und ALTERNATIVLOS, wenn sich die Menschheit des Wahnsinns der Risiken und des Unrechts von Atomwaffen auch nur annähernd bewusster wäre und folglich die Mächtigen zum Einlenken bringt. 

Markus S. Rabanus  25.10.2020 / 27.10.2020


>> Atomwaffen-Lexikon

>> Atomwaffenverbotsvertrag UNO 2017

 

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Der Verstand muss schärfer sein als alle Munition.