UNOPazifismus20150316

 

Liebste @Noa, wenn ich "so sehr an die Menschen glauben würde", wie du es von mir annimmst, dann würde ich doch nur Moral predigen und nicht das UNO-Gewaltmonopol fordern:-) 

Wie im Privaten. So kann ich zwar mal dem einen oder anderen eine Schuld vergeben, aber könnte es nicht und wäre längst pleite, wenn jeder darauf spekulieren dürfte, dass es bei bloßer Moralpredigt bleibe. Nur schicke ich dann nicht meine Privatarmee los, wie es die Staaten gegeneinander selbstjustiziell treiben, sondern bediene mich der Gerichte und der Gerichtsvollzieher. Das nennt sich "Gewaltmonopol". 
Und genau das braucht es zum Weltfrieden. 

Und genau das hatten Leute wie Immanuel Kant, Woodrow Wilson, Albert Einstein erkannt und in die Charta der Vereinten Nationen floss es ein. Nur fehlt es an Umsetzung und weiteren Konsequenzen. 

Und das ist von der Menschheit wirklich noch nicht verstanden. Das ist der Grund, warum es so bleibt, wie es im Argen ist mit all den rivalisierenden Gewaltpotentialen von Horden, Staaten und Allianzen. 

Sogar ein Studienfreund, der es schon damals trotz ansehnlicher Noten nicht begriff, was wir im Völkerrecht kontrovers diskutierten, sagte: "Ach, Markus, bist du noch immer auf dem Weltverbesserertrip?" 
Ich fragte: "Stell' dir vor, wir hätten im Land kein Gewaltmonopol. Würdest nicht auch du dafür plädieren?" 
Aber selbstverständlich würde er - und tut es im Verhältnis der völkerrechtlichen Rechtssubjekte nicht. Er ist im Widerspruch mit sich, nicht ich.

Und leider versagen die Großen Köpfe unserer Zeit, wenn sie uns lehren, dass der Friede auf Verträgen und Demokratie basiere, wenn sie doch wissen, dass sich die Zuverlässigkeit doch immer erst aus dem Gewaltmonopol ergibt, also die rivalisierenden Rechtssubjekte möglichst entwaffnet gehören. Auch das Völkerrecht, so viel ich dafür werbe, bleibt ohne Gewaltmonopol bloß Moralappell. 

Wie es kommt, dass ich trotz solch m.E. unmissverständlicher Worte missverstanden werde und als zu idealistisch gelte? - Niemand fragt mich das, aber dann mach* ich es halt selbst:-) 
Weil ich auch dann für den Dialog plädiere, wenn andere ihn für zwecklos erklären, weil ihnen nicht schlimm genug ist, dass sie Feinde haben, sondern die Feindschaft mit Feindschaft statt Recht erwidern möchten - und den Dialog für Verrat halten.
Doch so sehr mir Dialog zwar immerzu wichtig ist, so kann er oft nicht reichen, sondern braucht Durchsetzung, aber nach allgemeinen Gesetzen, nicht etwa nach meinen militärischen Kräften..

Rein theoretisch steht man mit solch Forderung zwischen den Fronten - und da gehört man auch hin, wenn es zumutbar wäre. Dennoch wird man parteiisch sein, sobald einem die eine Streitpartei genehmer scheint als die andere. Aber solange man sich damit begnügt, immer nur dem vermeintlich geringeren Übel zu dienen, so wird sich am Übel militärischer Rivalitäten nichts ändern, weshalb es in allen Konflikten darauf ankommt, deren militärische Austragung mit dem fehlenden Gewaltmonopol zu erklären und zu verurteilen. 

Markus S. Rabanus

 

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